Des Kaisers neue Kleider

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Stoff für des Kaisers Kleider

Des Kaisers neue Kleider ist ein Märchen von Christian Andersen aus Dänemark.
Das Märchen ist geeignet für Kinder ab 3 Jahren.
Den Text des Märchens für Podcast, zum Vorlesen und zum Download habe ich sprachlich behutsam modernisiert, die Inhalte aber unverändert gelassen.

Der Kaiser:

„Sitzt es nicht gut?“


Zusammenfassung und Deutung

Das Märchen handelt von einem Kaiser, der sich von zwei Betrügern für viel Geld neue Kleider weben lässt. Diese machen ihm vor, der Stoff sei nicht gewöhnlich, sondern könne nur von Personen gesehen werden, die ihres Amts würdig und nicht dumm sind.

Die Erzählung wird gelegentlich als Beispiel angeführt, um Leichtgläubigkeit und die unkritische Akzeptanz angeblicher Autoritäten und Experten zu kritisieren.

Des Kaisers neue Kleider im Podcast zum anhören

Fantasie

„Durch Geschichten lernen Kinder in ihrer Fantasie Vorstellungen zu assoziieren und zu entwickeln, mitunter auch Probleme zu lösen und Ziele zu erreichen. Sie helfen, Stress abzubauen, ein inneres Gleichgewicht herzustellen und Fantasie und Kreativität zu fördern.“
So beschreibt es die Uni Köln Fantasiereisen in ihrem Methodenpool.

Beruhigende Naturgeräusche: Lagerfeuer

Diese Folge beinhaltet das natürliche Geräusch von einem Lagerfeuer. Dieses wirkt beruhigend. Kinder lauschen gerne dem Regen, dem Meer, Wind und Donner und dem Feuer.
Die hochwertige Audio-Aufnahmen, die ich gemacht habe umfasst das volle hörbare Klangspektrum und entfalten so die maximale Wirkung. Naturgeräusche führten dazu, dass beim einschlafen störende Gedanken durch positive ersetzt werden und wir Stress abbauen können und damit besser einschlafen.

Musik

Außerdem enthalten die Folgen Musik. Diese ist stressreduzierend und hat auch auf Kinder eine entspannungsfördernde Wirkung, was auch wissenschaftlich gestützt wird.

Ich verwende hierzu häufig dieselben Lieder, da Kinder Wiederholungen und vor allem Ihr eigenes Wiedererkennen sehr schätzen. Dieses Wiedererkennen schenkt Kindern Sicherheit, welche sie auch zum Schlafen brauchen.

Das Märchen als PDF zum Download

„Des Kaisers neue Kleider“ zum vorlesen

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der ungeheuer eitel war und viel auf neue Kleider hielt, so dass er sein ganzes Geld dafür ausgab, um recht fesch zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um das Theater oder die Bürger und liebte es nicht, ausser Haus zu gehen, nur um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte Kleidung für jede Stunde des Tages, und eben so, wie man von einem Könige sagt, er ist im Rathaussaal mit seinen Ministern, sagte man hier immer: „Der Kaiser ist in der Garderobe.“

Die Betrüger

In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr lebhaft zu; jeden Tag kamen viele Besucher und Fremde an. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger; sie gaben sich für Weber aus und sagten, daß sie die schönsten Stoffe, das man sich vorstellen könne, zu weben verstanden. Die Farben und die Muster sind nicht nur ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Stoff genäht wurden, besäßen die wunderbare Eigenschaft, daß sie für jeden Menschen unsichtbar waren, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.

„Das wären ja prächtige Kleider!“ dachte der Kaiser; „wenn ich die anhätte, könnte ich ja dahinter kommen, welche Männer in meinem Reich zu der Stellung , die sie haben, nicht taugen; ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muß sogleich für mich gewebt werden!“ Und er gab den beiden Betrügern einen Vorschuss der Bezahlung, damit sie ihre Arbeit beginnen könnten.

Die zwei Betrüger stellten auch zwei Webstühle auf und taten so, als ob sie arbeiteten; aber sie hatten nicht kein Garn auf dem Webstuhl. 

Dreist verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Webstühlen bis spät in die Nacht hinein.

Der Kaiser ist neugierig

„Ich möchte gerne wissen, wie weit sie mit dem Stoff für meine neuen Kleider sind!“ dachte der Kaiser. Aber es war ihm ordentlich beklommen zu Mute, wenn er daran dachte, daß Derjenige, welcher dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es nicht sehen könne. Nun glaubte er zwar, daß er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst jemand anderen nachsehen lassen. 

Alle Menschen in der ganzen Stadt wußten, welche besondere Kraft der Stoff habe, und Alle waren begierig, zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei.

„Ich will meinen alten, ehrlichen Minister zu den Webern senden!“ dachte der Kaiser. „Er kann am Besten beurteilen, wie weit die Weber sind, denn er hat Verstand, und Keiner macht sein Amt besser, als er!“ –

Der gute alte Minister

Nun ging der alte, gute Minister in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten, „Gott behüte uns!“ dachte der alte Minister und riß die Augen auf; „ich kann ja keinen Stoff sehen!“ Aber das sagte er nicht.

Beide Betrüger baten ihn, näher zu treten, und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, und der arme, alte Minister fuhr fort, die Augen aufzureißen: aber konnte nichts sehen, denn es war nichts da. 

„Herr Gott!“ dachte er, „sollte ich dumm sein? Das gibt’s doch nicht, und das darf kein Mensch erfahren! Bedeutet es dass ich nicht zu meinem Amt taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne den Stoff nicht sehen!“

„Nun, Sie sagen nichts dazu?“ fragte der Eine, der da webte.

„O, es ist wunderbar, ganz allerliebst!“ antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde es dem Kaiser sagen, daß es mir sehr gefällt.“

„Nun, das freut uns!“ sagten die Weber, und darauf nannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster. Der alte Minister passte gut auf, damit er dasselbe sagen könnte, wenn er beim Kaiser Bericht erstattete.

Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold, das sie zum Weben brauchen wollten, Sie steckten aber Alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein einziger Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher, an dem leeren Webstuhl zu arbeiten.

Der zweite Minister

Der Kaiser sandte bald einen andern ehrlichen Minister hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stünde und ob die neue Kleidung bald fertig sei.

Auch diesem Minister ging es wie dem Ersten; er sah und sah, weil aber außer dem leeren Webstuhl nichts da war, konnte er nichts sehen.

„Ist das nicht ein hübsches Stück Stoff?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, welches gar nicht da war.

„Dumm bin ich nicht!“ dachte der Mann; „es ist ein gutes Amt, das ich bekleide und  zu dem soll ich nicht taugen? Ich werde es mir jedenfalls nicht anmerken lassen!“ und so lobte er den Stoff, welchen er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. „Ja es ist ganz allerliebst!“ sagte er zum Kaiser.

Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Stoff.

Der Kaiser besucht die Betrüger

Nun wollte der Kaiser es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhl ist. Mit einer ganzen Schaar auserwählter Männer, unter denen auch die beiden ehrlichen Minister waren, die schon früher dort gewesen waren, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser und Faden.

„Ist das nicht prächtig?“ sagten die beiden alten Minister, die schon einmal da gewesen waren. „Sehen Eure Majestät, welches Muster, welche Farben!“ Und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, daß die Andern den Stoff wohl auch sehen konnten.

„Was!“ dachte der Kaiser, „ich sehe gar nichts! Das ist ja schrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein?

Das wäre das Schrecklichste, was mir passieren könnte!“ – „O, es ist sehr hübsch!“ sagte er. „Es hat meine allerhöchste Wertschätzung!“ Und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl, denn er wollte nicht sagen, daß er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, welches er bei sich hatte, sah und sah und bekam nicht mehr heraus, als die Andern; aber sie sagten, wie der Kaiser: „O, das ist hübsch!“ Und sie rieten ihm, diese neuen, prächtigen Kleider das erste Mal bei der großen Prozession, die bevorstand, zu tragen. „Es ist herrlich, prächtig, excellent!“ ging es von Mund zu Mund; man schien allerseits innig erfreut darüber, und der Kaiser verlieh den Betrügern den Titel: Kaiserliche Hofweber.

Der Festzug

Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem der Festzug stattfinden sollte, waren die Betrüger auf und hatten über sechzehn Lichter angezündet. Die Leute konnten sehen, daß sie stark beschäftigt waren, des Kaisers neue Kleider fertig zu stellen. Sie taten, als ob sie den Stoff aus dem Webstuhl nehmen, sie schnitten mit großen Scheren in die Luft, sie nähten mit Nähnadeln ohne Faden und sagten zuletzt: „Nun sind die Kleider fertig!“

Der Kaiser mit seinen vornehmsten Höflingen kam zur Ankleide, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade als ob sie etwas hielten, und sagten: „Seht, hier sind Ihre Hosen! Hier ist das Sakko! Hier der Mantel!“ und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnenweben; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Leib; aber das ist gerade das Besondere daran!“

„Ja!“ sagten alle Höflinge; aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da.

„Belieben Eure kaiserliche Majestät jetzt Ihre Kleider allergnädigst auszuziehen,“ sagten die Betrüger, „so wollen wir Ihnen die neuen anziehen, hier vor dem großen Spiegel!“

Der Kaiser legte alle seine Kleider ab, und die Betrüger taten so, als ob sie ihm jedes Stück der neuen Kleider anzogen, und der Kaiser wendete und drehte sich vor dem Spiegel.

„Ei, wie gut sie kleiden! Wie herrlich sie sitzen!“ sagten Alle. „Welches Muster, welche Farben! Das ist eine hervorragende Tracht!“ –

„Draußen stehen sie mit der Sänfte, mit welcher Euer Majestät im Festzug getragen werden soll,“ meldete der Oberzeremonienmeister.

„Seht, ich bin ja fertig!“ sagte der Kaiser. „Sitzt es nicht gut?“ Und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel, denn es sollte so aussehen, als ob er seine neuen Kleider nochmals betrachtete.

Die Kammerdiener, welche die Schleppe tragen sollten, griffen mit den Händen nach dem Fußboden, gerade als ob sie die Schleppe aufhoben; sie gingen und thaten, wie wenn sie Etwas in der Luft hielten; sie wagten nicht, es sich anmerken zu lassen, daß sie nichts zu tragen hatten.

So ging der Kaiser zum Festzug, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Gott, wie sind des Kaisers neue Kleider schick; die schöne Schleppe er hat, wie schön das sitzt!“ Keiner wollte es sich anmerken lassen, daß er nichts sah, denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amt getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. 

„Aber er hat ja nichts an!“

„Aber er hat ja nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. ‚Herr Gott, hört die unschuldige Stimme!“ sagte der Vater; und Einer flüsterte dem Andern zu, was das Kind gesagt hatte.

„Aber er hat ja nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. 

Das ergriff den Kaiser, denn es wurde ihm klar dass sie Recht hatten; aber er dachte bei sich: „Nun muß ich den Festzug aushalten.“ Und die Kammerdiener gingen noch straffer und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

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Ralf Eisend

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